Unsere Reise in den Regenwald fing mit eine 3 stündigen Bootsfahrt über den Amazonas an, bei der nach halber Strecke unser Motor ausfiel… Also trieben wir auf einem Seitenarm so vor uns hin und mussten auf Hilfe warten. Ein einheimisches Boot ist zum Glück vorbeigekommen und hat einen der Mitarbeiter mitgenommen um nen neuen Motor aus einem befreundetem Nachbardorf zu holen.
Um das einmal genauer zu erklären: Tobi und ich sind mit einem weiterem Besucher (ein Argentinier) in eine Lodge gefahren. Es gibt reltiv luxuriöse (fast) Hotels, wir haben uns aber mehr für den Abenteuerurlaub entschieden. Das heißt: kein warm Wasser und kein Strom, auch hatten wir keine festen Wände. Das war eine sehr kleine Anlage, die auf Pfählen gebaut war, damit Schlangen und Spinnen einem möglichst nicht über den Weg kriechen. Da diese sich aber nur bedingt von Treppen abhalten lassen, war das wohl eher für die Besucher, damit die sich zumindest etwas sicherer fühlen. Auf den Pfählen gab es mehrere kleine Räume, jeweils für 2 bis 4 Personen. In jedem Raum gab es eine Dusche ( aufbereitets Regenwasser), eine Toilete, ein Waschbecken, eine Hängematte, Betten, ein Regal und eine Ölleuchte. Die Zimmer hatten als Wände und Dach Fliegengitter. Das heißt, man hat alles gehört und gesehen, also Nachts die Glühwürmchen vorm Fenster und eine unglaublich schöne Geräuschkulisse (wenn zu anfang auch etwas unheimlich). Abends haben wir den Raum mit seiner Öllampe abgesucht um zusehen, ob irgendwelche giftigen Tiere in die Wohnung gekommen sind, was hier und da auch mal vorkam (Spinnen). Auch kam es vor, dass man mit Gekos geduscht hat, wenn diese gereade über einem über das Fliegengritter liefen. Aber unglaublich schön 🙂
Und dann war da noch das Team, dass uns betreut hat: einmal Marco, ein deutscher Arzt der seid mehreren Jahren in Peru arbeitet und sich diese Lodge aufgebaut hat. Dann ein Koch, ein Leiter der den Regenwald studiert hat und ein Einheimischer der den Regenwald wie seine Westentasche kennt. Mit diesen beiden sind wir immer auf die Touren gegangen…
Wir waren 4 Tage im Regenwald und jeden Tag etwa der gleiche Ablauf. Am ersten Tag sind wir mit dem Boot hingefahren, haben auf dem Boot gegessen, haben uns die Zimmer angeguckt und das Gepäck reingetragen, Verhaltensregeln & Sicherheitsmaßnahmen geklärt und sind dann auf eine Tour durch den Wald gegangen. Danach gab es Abendbort (unteranderem Korkodil), mit dem Arzt und unserem Guide um Fragen zur Tour und dem Aufenthalt zu klären und anschließend sind wir zur Nachtfahrt im Kanu aufgebrochen (Kaimane beobachten und fangen).
Am zweiten Tag sind wir dann um 6.00 aufgestanden um Vögel beim Frühstück zu beobachten: wir sind wieder mit dem Kanu los und es hat sich gelohnt… unglaublich viele Vögel und wahnsinnig schön. Dann haben wir selbst gefrühstückt und sind zur nächsten längeren Tour etwas tiefer in den Regenwalt gegangen. Hier haben wir fast alles gemacht… Larven gegessen, Termiten in unseren Händen verrieben um uns vor Moskitos zu schützen, haben riesen Käfer gefunden, aus Bäumen getrunken und so weiter. Wieder zurück gab es Mittagessen und einen Besucheer. Unterunserem Essraum hatte sich eine Schlange versteckt die unter Umständen tödlich sein kann. (Diese gleiche Art hat mal ein Mädchen aus dem Nachbardorf angegriffen, der daraufhin das Bein amputiert werden musste). Nach der Schlangenkunde ging es dann aber erstmal auf die nächste Bootstour. Wir sind wieder über einen Seitenarm an dem wir uns eine Lotusblüte angesehen haben, zum Amazonas gefahren um mit Delfinen zu schwimmen. Zwar konnten wir diese nicht anfassen, aber die sind nur wenige Meter neben uns geschwommen und gesprungen. Dann sind wir wieder zwei einhalb Stunden zurück gefahren, haben gegen 21.00 Abendbrot gegessen und sind nach einem sehr anstrengendem Tag ins Bett gefallen.
Am dritten Tag durften wir etwas ausschlafen, denn Frühstück gab es erst um 8.00 🙂 Danach sind wir mit dem Kanu an eine Stelle zum Wandern gefahren, wo auch die Eingeborenen selten unterwegs sind, denn hier leben die größeren Tiere ungestört. Auf dieser Tour haben wir wieder einige Spinnen, Schlangen, Affen, sogar ein Faultier und einen Teufelsrochen gesehen. Dann wieder zurück zum Mittag essen etwas ausruhen (über 30C ° und 99% Luftfeuchtigkeit machen einem dann doch zu schaffen). Danach sind wir mit dem Boot los gefahren zum Piranhas angeln. Tobis erstes mal angeln in seinem leben und schon hatte er nen Piranha 🙂 Da es wieder sehr warm war, sind wir danach wieder schwimmen gegangen. Also Angeln reingeholt und in die Mitte des Sees gefahren… Zwar etwas skeptisch aber dankbar für die Abkühlung sind wir dann auch etwas zögerlich reingesprungen. Danach ging es dann wieder essen und auf eine Nachtwanderung um etwas größere Schlangen und Spinnen zu suchen. Nicht sehr angenehm, denn auf fast allen Bäumen und Blättern sitzen iregndwelche Viecher und man sieht da Nachts nur wirklich wenig.
Der vierte Tag bzw. die Nacht waren für mich nicht so toll. Irgendetwas hatte mich am Tag zuvor beim Wandern oder Schwimmen gebissen, gestochen oder ich habe etwas verschluckt. Konnte man hinterher nicht mehr sagen. Auf jeden Fall hatte ich in der Nacht Magen – Darmbeschwerden , Kopfschmerzen, Schwindel und Fieber. Zum Glück hatten wir den Arzt dabei, der mir zur Sicherheit ein Breitbandantibiotikum gegeben hat, weil eben keiner wusste was das war. Ich bin den vierten Tag also erstmal im Bett geblieben während Tobi und der andere Argentinier sich das Nachbardorf angesehen haben. Danach war für etwa 11.00 die Abfahrt nach Iquitos geplant. Ich habe die 5 Stunden Rückfahrt liegend im Boot und dank meinem Magen auch ohne Essen und Trinken verbracht. Dem entsprechend war ich auch sehr wackelig auf den Beinen als wir dann angekommen sind. Tobi und eine fremde Frau haben mich dann aus dem Boot gehieft und auf einen Hocker an den Straßenrad gesetzt. Ich selbst habe dank dem Fieber kaum etwas mitbekommen aber ich muss wohl doch sehr krank ausgesehen haben, denn aufeinmal stand das halbe Dorf um mich herrum: Dies meisten haben mir den Kopf getätschelt, die Hände auf meine Hände und Schultern gelegt, haben mir auf Rücken, Stirn und unter die Nase irgendwelche Salben geschmiert und mich mit Ketten und Armbändern behangen. Tobi hat mir hinterher erzählt, dass die sich darüber unterhalten haben, was ich wohl habe und von Dengue über Gelbfieber bis hin zu Schlangenbissen war alles dabei und mich schon für fast tod erklärt. Der Arzt kam dann aber in etwa zur gleichen Zeit, wie die Salben und Ketten, mit Elektrolyten wieder. Etwa eine halbe Stunde später ging es mir wesentlich besser und am Abend war ich nur noch schlapp. Ob das nun an Salben, Ketten oder Elktolyten lag sei mal dahin gestellt, aber zu sehen wieviel diese Menschen alle zu geben haben, obwohl kaum etwas besitzen war schon unglaublich…
Abschließend kann man sagen dass wir ganz andere Erwartungen an den Regenwald hatten. Wir hätten damit gerechnet, dass es im Regenwald mehr bunte Pflanzen und Blumen gibt aber auch mehr Tiere. Wir haben zwar einiges gesehen, aber man ist doch in der Wildnis und muss sehr lange an bestimmten Orten suchen, um die interessanten Dinge zu finden. Im Gegensatz zum Amazonas: Dieser Fluss ist unglaublich und das eigentliche Leben spielt sich um diesen größten Fluss der Welt, so wie um seine Seitenarme ab. Eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen finden sich hier wieder und die Natur ist einfach nur Atemberaubend… Auch wenn dieser Aufenthalt, einer der anstrengensten und wohl auch am gefährlichsten war, würde ich das jedem weiterempfehlen! Das alles war schon eine ganz besondere Erfahrung!
Wenn wir euer Interesse geweckt haben sollten, guckt einfach unter: Amazonaction.org
Und liebe Grüße an Marco 🙂

Kommentar verfassen